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Vol. 3.: Ich will nicht so sein wie ihr mich haben wollt

Kleine Anmerkung: ich hab keinen passenden Liedtext für diesen Beitrag gefunden. Und überhaupt war der nicht geplant, und betrifft nicht nur ausschließlich meine Vergangenheit, aber ein wenig Auskotzen muss sein, sonst kann sich meine arme Pim noch länger mein Gemeckere anhören.

Ich hatte noch nie einen Freund. Und ich kann damit leben. Ich bin nicht verheiratet, ich bin nicht schwanger, habe keine Kinder und erst recht keine verheirateten und schwangeren Kinder. Meine "Beziehungen" haben bis jetzt aus harmlosen Geflirte und Stehblues tanzen mit einem vergebenen Mann bestanden. Und ich bin zufrieden. Ich bin nicht glücklich, aber ich komme über die Runden.

Aber ihr müsst es immer wieder reinreiben, wie? Ihr müsst mir immer wieder Vorschläge für Beziehungen geben und mich bemitleiden. Ihr wollt mich in euer beschissenes Schema F quetschen. Doch da ist kein Platz für mich. Punkt, aus.

Ihr seid doch so „freidenkerisch“, oder? Dann versteht doch endlich, dass ich meine Zeit brauche und dass es mir nicht hilft, von euch herabgesetzt und bemitleidet zu werden. Es tut einfach weh. Als wäre ich Milch, die langsam sauer wird. Als ob mich in ein paar Monaten keiner mehr haben wollte, weil ich abgelaufen bin.

Mir passt es mehr oder weniger, wie es ist. Und ihr seid meine Familie, euch soll es gefälligst auch so passen. Mehr noch, ihr sollt mich unterstützen und es toll finden, wie ich mein Leben lebe. denn ich habe nicht vor, irgendwas zu ändern, nur weil es ein paar Leuten nicht passt. Wenn es euch nicht passt – schön! Verpisst euch einfach und lasst mich alles so machen, wie ich es will. Ich warte auf den Richtigen und werde mich nicht anbieten wie irgendeine billige Hure. Ich kenne genug von denen und hab mir geschworen, niemals so zu werden.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: vergebt mir meine derbe Sprache, aber wie gesagt: Auskotzen muss sein.


20.1.08 01:22


Vol. 2: In meinem Traum steh ich am Meer

Komm’ lass dich von mir entführen
In meinen Traum von letzter Nacht
Gib mir die Hand ich muss dich spüren
Fast wär ich nicht mehr aufgewacht
Es war so klar, ein Traum und doch wahr


Ich habe es nie verstanden. Wieso? Was war ich für euch, warum konntet ihr auf mir herumhacken, wie es euch gefiel? Heute fühlt es sich so unreal an. Unreal und doch…ich hab es erlebt. Es kann nicht unreal sein. Das bilde ich mir doch alles nicht ein, die ganzen zwei Jahre der Peinigung. Aber es ist so ungeheuerlich, dass es mir unreal vorkommt. Wieso? Ich frage es mich immer wieder. Wieso habt ihr das tun müssen? Hat es euch einen „Kick“ gegeben?

In meinem Traum steh ich am Meer
Mit dem Gefühl als ob es gleich zu Ende wär


Ich dachte mir jeden Tag, dass es zu Ende sein muss. Dass es nur ein Ausrutscher ist, dass es am nächsten Tag zu Ende sein würde. Jeden Tag stand ich vor der Schule und überlegte, ob ich hineingehen soll. Jeden Tag stand ich vor der Klasse, und überlegte, ob ich hineingehen soll. Sollte ich? Sollte ich mich wieder von allen beschimpfen lassen, meine Schulsachen aus den Papierkörben holen und meinen Tisch von all dem Klopapier und den Kritzeleien befreien? Mich wieder und wieder rechtfertigen, dass ich diesen Liebesbrief nicht geschrieben habe? Dass das gar nicht MEINE SCHRIFT ist?

Ich seh’ mich um, ich bin allein
Ich nehme Anlauf und dann springe ich hinein


Ganz allein stand ich vor der Klasse, denn Freunde hatte ich keine. Leute, die vorbeigingen, sahen mich seltsam an, andere, aus meiner Klasse, riefen mir Schimpfwörter zu. Lehrer meckerten, ich solle gefälligst in meine Klasse gehen und nicht da herumlungern. Und schließlich überredete ich mich dazu, hineinzugehen.

Als hätt es nur auf mich gewartet
Als ob das Meer ein Raubtier wär
Ich habs gesehn
Grausam und doch schön


Manchmal passierte nichts, vielleicht ein paar schräge Blicke, oder ein paar Rufe: „Die xyz ist da, schaut mal was die schon wieder anhat!“ Manchmal gab es Gelächter. An anderen Malen wurde geklatscht. Ich weiß nicht, was für einen Sinn das hatte. All die perfekt gestylten Mädchen, die mir böse Blicke zuwarfen. Wieso? Wieso mochte mich keiner? Die Jungs, die sich einen Spaß daraus machten, mit mir zu flirten und mich gleichzeitig zu verarschen. Was war der Sinn dahinter? Andere Jungs, die mir einfach so einen Schlag auf den Rücken verpassten, Mädchen, die mich verprügeln wollten. Was hat euch dazu bewegt? Ich will einfach nur einen Grund.

In meinem Traum steh ich am Meer
Mit dem Gefühl als ob es gleich zu Ende wär
Ich seh’ mich um, ich bin allein
Ich nehme Anlauf und dann springe ich hinein
Und gehe unter wie ein Stein
Doch unter Wasser kann man nicht schrei’n


Und ich wollte einfach nur weg, weg von dort, doch ich kam nicht weg. Ich wollte um Hilfe schreien, doch den Lehrern war es egal. Ich war ihnen egal. Ich ging unter in der Masse, in einer der rüdesten Klassen überhaupt. Wieso musste ich ausgerechnet dort landen?

Ich wollte jeden Tag so leben
Als ob’s mein letzter wär
Die Welt aus ihren Angeln heben
Jetzt ertrinke ich im Meer


So oft habe ich mir eingeredet, dass es mir egal war. Habe es ignoriert und euch nur überlegene, herabsehende Blicke zugeworfen, da ich wusste, dass mir keiner intellektuell das Wasser reichen konnte. Habe jedes Mal alles in meiner Macht stehende getan, damit ihr Ärger mit den Lehrern bekamt.

Ich kämpfte wie ein kleiner Junge
Und dann habe ich gelacht


Und was ist passiert? Es wurde nur noch schlimmer. Natürlich wurde es schlimmer. Im Nachhinein weiß ich, dass ich alles falsch gemacht hatte. Aber damals habe ich in meinem Tagebuch groß darüber geredet, dass ich es euch „zeigen“ werde. Mit meinen guten Noten und meinem tollen Aussehen. Aber es wurde nur schlimmer.

Wasser füllte meine Lunge
Davon bin ich schließlich aufgewacht


Schließlich war die Unterstufe zu Ende. Und ich wechselte die Schule. Verletzt, zermürbt, eingeschüchtert, aber doch.

In meinem Traum steh ich am Meer
Mit dem Gefühl als ob es gleich zu Ende wär


Am letzten Tag stand ich wieder vor der Schule. Und ich ging mit einem definitiven Gefühl der Überlegenheit hinein. Mit einem Gefühl des Abschieds, mit dem Gefühl, dass ich wusste, dass es endlich zu Ende war.

Ich seh’ mich um ich bin allein
Ich nehme Abschied und dann springe ich hinein


Ich holte mein Zeugnis und ging wieder. Allein. Manche Schüler aus meiner ehemaligen Klasse sahen mich noch und nutzten den letzten Tag, um mich noch einmal zu beschimpfen. Und lächelnd stieg ich in die U-Bahn, verabschiedete mich von meinem alten Leben und fuhr nach Hause.

Zum letzten Mal seh ich das Meer
Es sieht so aus als ob es nie zu Ende wär
Das Meer ist tief, das Meer ist groß
Und der Himmel ist für immer wolkenlos


Der schönste Tag in meinem Leben.
12.1.08 01:45


Vol. 1: Ich hasse dich

Absolut nichts ist in Ordnung
Absolut nichts ist ok


Du hast dich nie um mich gekümmert. Du hast mich mit Geschenken vollgestopft wie ein Mastschwein, Geschenke, die nun bei mir rumliegen, weil sie mir unwichtig sind. Du hast dir mein Vertrauen nicht verdient, du hast es dir erkauft. Und ich war blind gewesen, blind dafür, dass ich dir egal bin.

Verkneif dir jegliches Mitleid
Und spar dir jedes Klischee


Ich habe dir Sachen anvertraut, die ich vielen nicht erzählt habe. Jetzt tut es mir leid, dass ich sie gerade dir anvertraut habe. Geld bedeutet nicht gleich Vertrauen, verstehst du das etwa nicht? Ich war jung, ich war naiv, du warst mir wichtiger als viele Menschen auf dieser Welt. Ich erkenne erst jetzt, wie unwichtig du bist.

Ja es geht mir beschissen
Ja es ist wegen dir
Doch davon willst du nichts wissen
Sonst wärst du sicherlich hier bei mir


Und jetzt hast du mich verstoßen. Wegen einem verdammten Streit, mit dem ich nichts zu tun hatte. Hast mich mit nichts in der Welt zurückgelassen, mich einfach aus deinem Leben gestrichen. Weißt du noch, was du in mein Taufbuch geschrieben hast? „Ich werde immer für dich da sein.“ Schönes Versprechen, wenn man es doch nicht hält.

Ich hasse dich
Ich hasse dich
Ich hasse dich
Ich hasse dich
Ich hasse dich


Glaubst du etwa, ich weiß nicht, was du getan hast? Du hast ihm immer noch Alkohol gekauft, obwohl die Ärzte es streng verboten haben. Obwohl er leberkrank war. Du hast ihm seine Henkersmahlzeit langsam eingeflößt. Jetzt verlangst du Mitleid. Weil er nicht mehr ist. Es ist doch deine Schuld.

Absolut nichts ist mehr heilig
Absolut nichts steht noch fest
Ich hätte niemals erwartet
Dass du mich einfach verlässt


Sie haben mir gesagt, dass du Zeit brauchst. Du wolltest, dass alle dich verstehen, dass du jetzt Witwe bist und deshalb Anrecht auf jahrelange Trauer hast. Du hast dich nie mehr bei mir gemeldet. Wenn ich mal angerufen hab, sind wir einkaufen gegangen, du hast fast 100 Euro ausgegeben, damit du deine Ruhe vor mir hast. Vor deinem Patenkind.

Ich hasse meine Gefühle
Und meine Hilflosigkeit


Weißt du, wie es für mich war? Als ich ihn in der Reha besucht hab, und er so fröhlich, und doch ungesund gewirkt hat? Natürlich weißt du nicht, wie es war. Es hat dich nie interessiert. Neben deinem Schmerz ist alles andere ins Unscheinbare verblasst. Weißt du, wie hilflos ich mich gefühlt hab, als Mama mir gesagt, dass er immer noch Alkohol trinkt? Weißt du, wie ich mich gefühlt habe, als der Anruf kam? Natürlich, auch das weißt du nicht, weil es nicht interessant ist. Nur du bist interessant.

Aber ich bin mir ganz sicher
Das geht vorbei mit der Zeit


Es geht mir schon besser. Doch verzeihen kann ich dir nicht. Ich kann es einfach nicht. Damit musst du nun allein leben. Du hast doch so viele tolle Freunde, mit deren Kindern du etwas unternimmst. Erzähl ihnen doch mal, was du deiner Familie angetan hast.

(Am Morgen geht die Sonne auf)
Und ich hasse dich
(Die Welt nimmt weiter ihren Lauf)
Und ich hasse dich
(Menschen gehen von A nach B)
Und ich hasse dich
(Im Winter fällt ein bisschen Schnee)


Ich lebe weiter, mit meinem Hass. Ich kann ihn nicht vergessen und will es auch nicht. Wenn ich dich jemals treffen würde, würdest du mit mir reden? Vermutlich. Und weißt du, was ich tun würde? Ich würde ohne ein Wort weitergehen. Oder ich würde dir meinen Hass ins Gesicht schleudern. Das kommt ganz auf meine Laune an.

Manchmal wünscht ich mir ich wäre tot
Keine Gefühle kein Problem


In der Nacht wollte ich nicht mehr. Ich wollte weg, einfach nicht mehr da sein, meinem jämmerlichen Leben ein Ende setzen. Ich hatte damals genug Probleme, da kam mir dieser Grund gerade gelegen.

Das klingt nach 'nem verlockenden Angebot
Aber ich werds überleben und mit Glück
Bleibt nur eine Narbe zurück


Weißt du, was mich abgehalten hat? Nichts, was du gesagt hast. Nein, die Tatsache, dass meine Familie, zu der du nicht mehr gehörst, um mich weinen würde. Und die Tatsache, dass er das nicht gewollt hätte. Und du heuchelst nun Depressionen. Lebst von Notstand, weil du zu faul bist, um zu arbeiten. Mach nur weiter so. Das Leben geht weiter. Aber ohne dich.
8.1.08 15:04


Schlaflosigkeit

Ich kann nicht schlafen. Psychologen würden sagen, dass ich unter Schlaflosigkeit leide. Haha, was für eine Überraschung.
Meine Vorsätze dieses Jahr waren sehr toll...den wichtigsten hab ich vergessen.

Mit meiner Vergangenheit abschließen.

Es bereitet mir schlaflose Nächte. Ich hab doch keinen Grund, mich schlecht zu fühlen. Anderen Menschen geht es viel schlechter. Und doch...ich komme nicht zur Ruhe. Es lässt mich nicht schlafen. Es zerfrisst mich innerlich.

Abschließen...schließ einfach ab. Schlüssel weg und aus.

Ich hatte alles verdrängt. All die Wut, die Angst, die Traurigkeit, die Gefühle, die ich so sehr hasse. Ich hatte nicht mehr daran gedacht. Ich hatte es in eine kleine Kiste gesperrt und die in den Keller gebracht. Denke nicht dran. Es ist es nicht wert. Führ dich nicht wie ein oller Emo auf. Dir geht es gut, es ist vergangen.

Vergangenheit. Abschließen. Und dann?

Ich muss es verarbeiten, damit abschließen. Ich muss damit leben, nicht ohne. Ich kann es nicht verdrängen.

Absolut nichts ist okay.

Mit diesem Lied fing es an. Damit und mit der Rückkehr zu meiner früheren Kindheit. Es kamen immer mehr Lieder dazu. Lieder, die mir aus der Seele sprechen. Lieder, die genau wissen, wie es mir geht. Sie haben die alten, entzündeten Wunden aufgerissen, damit der Schmutz rauskommen kann. Und das tut er nun – der Schmutz muss raus. Es muss erzählt werden.

Es gibt kein zurück.

Die nächsten Beiträge werden die emotionalsten und ehrlichsten in diesem Blog sein. Ich weiß nicht, wann sie kommen. Vielleicht drei an einem Tag, vielleicht einer pro Monat. Wenn ich die Worte finde, schreibe ich sie.

Wartet nicht auf andere Beiträge. Sie werden nicht kommen, bis es vorbei ist, bis es erzählt ist.

Den letzten Beitrag erkennt ihr daran, dass er mehr oder weniger lustig sein wird – für Außenstehende. Weil ich darin mit einem Lebensabschnitt abrechnen werde, für den ich mich schäme. Und das kann ich nur mit Humor zeigen. Und dieser Humor wird ehrlich sein, denn dann habe ich endlich abgerechnet und abgeschlossen. Und die Kiste nicht in den Keller gesperrt. Sondern in mein Herz. Um damit weiterzuleben.
8.1.08 05:07


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